Mila über ihren Job: «Ich treffe die respektvollsten Männer»
«In grösseren Runden oder an Familienfeiern sage ich nicht, was ich beruflich mache», sagt Mila aus Lenzburg (AG). Sie wolle nicht ständig mit Klischees kämpfen. Sexarbeit sei in der Schweiz für viele noch ein Tabu, für sie jedoch eindeutig: «Mein Job ist eine bewusst gewählte Dienstleistung – freiwillig, selbstbestimmt und normal.»
Mila ist auf OnlyFans aktiv, inseriert auf mehreren Erotikportalen und betreibt eine eigene Website. «Ich bin eine ganz normale Frau mit einem strukturierten Alltag», sagt sie. Morgens macht sie Pilates oder geht spazieren, später trifft sie Kundschaft. «Wir lernen uns kennen, klären Wünsche und Grenzen und schauen, ob die Chemie stimmt. Dann lassen wir uns Zeit – ohne Druck.» Ihre Dates dauern oft mehrere Stunden; an einzelnen Wochenenden sind es mehrere Treffen.
Klare Ansagen seien zentral. «Ich bin der Boss; was ich nicht will, passiert nicht – Punkt.» Preise nennt sie nicht öffentlich, sie variierten nach Ort, Dauer und Leistung. «Das Höchste, das ich je erhalten habe, entsprach etwa der Hälfte eines einfachen Monatslohns.» Gleichzeitig habe sie laufende Kosten: Kondome, Gleitgel, Dessous, Inserate, Steuern, Sozialabgaben, Anfahrten – manchmal auch Hotelzimmer. «Wie bei anderen Selbstständigen bleibt am Ende nur der Nettobetrag.»
Nicht jedes Treffen dreht sich nur um Sex. «Oft höre ich zu. Manche vertrauen mir Themen an, über die sie sonst nicht reden – Einsamkeit, Stress, warum Dates scheitern», sagt Mila. «Ich bin keine Therapeutin, aber ich biete einen diskreten Raum, in dem man offen sprechen kann.»
Ihre Kundschaft ist meist zwischen 25 und 55 und überwiegend Schweizer – von Single bis verheiratet. «Viele schätzen die klare Verabredung und zugleich die Unverbindlichkeit danach. Für mich ist das kein Verrat, sondern ein diskretes Arrangement zwischen Erwachsenen.» Ihr grösstes Marketing sei ihre Vertrautheit mit Land und Kultur. «Ich spiele auch mit Details: schwarze Brille, Strümpfe, hohe Schuhe.» Häufig werde sie sehr zuvorkommend behandelt. «Ich werde zu Dinner eingeladen, massiert, entdecke neue Bars und lande an Partys. Mir gefällt die Abwechslung – es ist ein gutes Leben.»
Schattenseiten blendet sie nicht aus. «Nachrichten wie ‹Preis? Ort? Jetzt?› ohne Hallo ignoriere ich oft», sagt Mila. Kurzfristige Absagen landen auf ihrer Blacklist. Gesundheit nehme sie ernst: «Ich arbeite konsequent mit Kondomen und lasse mich regelmässig testen.» Für die Sicherheit hat sie Standards wie Ausweis-Check, verifizierte Nummern, sorgfältig gewählte Treffpunkte, Standort-Sharing mit einer Vertrauensperson – und in der Tasche einen Pfefferspray. «Benutzt habe ich ihn nie. Die meisten sind höflich und fair – ich treffe wirklich oft die besten Männer der Schweiz.»


