Keine Alternative in Sicht: Der Luzerner Strassenstrich bleibt definitiv im Ibach

Die jahrelange Debatte um den Standort des Luzerner Strassenstrichs ist vorerst beendet. Die Suche nach einem neuen Platz in den Agglomerationsgemeinden ist ergebnislos gescheitert. Der Stadtrat zieht die Reissleine und konzentriert sich nun darauf, das bestehende Areal an der Reusseggstrasse sicherer zu machen – unter anderem mit einer Totalrevision des Prostitutionsreglements.

Lustmap Redaktion
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Seit Jahren steht der Strassenstrich im Luzerner Industriegebiet Ibach in der Kritik. Der Ort gilt als abgelegen, nachts schlecht beleuchtet und birgt erhebliche Sicherheitsrisiken für die dort tätigen Sexarbeitenden. Dennoch steht nun fest: Ein Umzug ist vom Tisch. Der Stadtrat hat bestätigt, dass der Strassenstrich an der Reusseggstrasse verbleibt.
 

Das kollektive Nein der Nachbargemeinden

Eigentlich hätte alles anders kommen sollen. Im Rahmen der regionalen Zusammenarbeit wurde gemeinsam mit den sogenannten K5-Gemeinden – bestehend aus der Stadt Luzern sowie Emmen, Kriens, Ebikon und Horw – nach einer gemeinsamen, regionalen Lösung. Das Ziel war es, einen Standort zu finden, der sowohl für die Sexarbeitenden sicherer als auch für die Bevölkerung verträglicher ist.Zwar wurden im Laufe des Prozesses verschiedene potenzielle Areale evaluiert und diskutiert, am Ende machten die Agglomerationsgemeinden jedoch einen Rückzieher. Keine der Nachbargemeinden war bereit, den Strassenstrich auf ihrem Territorium zu dulden. Das politische Risiko und der Widerstand in der lokalen Bevölkerung wurden als zu hoch eingeschätzt. Damit war das Projekt einer regionalen Trägerschaft gescheitert.
 

Wohnquartiere sind politisch tabu

Nach dem Scheitern der regionalen Suche stand theoretisch eine Rückkehr in das Stadtgebiet im Raum. Bevor der Strassenstrich 2001 ins Ibach verlegt wurde, befand er sich im Tribschenquartier. Eine Rückkehr in Wohn- oder stark frequentierte Mischquartiere schliesst die Luzerner Politik jedoch kategorisch aus.Die städtischen Quartiervereine laufen seit jeher Sturm gegen solche Szenarien, da sie Begleitkriminalität, Lärm und eine Abwertung der Wohnqualität befürchten. Zudem argumentieren Experten, dass in belebten Wohnquartieren die für das Gewerbe notwendige Diskretion fehlt. Die dadurch entstehende soziale Kontrolle würde die Sexarbeit lediglich in die Illegalität und in ungeschützte private Räume drängen.


Fokus auf Schadensminderung und neues Reglement

Da der Standort Ibach mangels Alternativen zementiert ist, verlagert der Luzerner Stadtrat seinen Fokus nun komplett auf die Schadensminderung vor Ort. Die Bedingungen an der Reusseggstrasse sollen drastisch verbessert werden und sehen folgende Massnahmen vor:
 
1. Revision des Prostitutionsreglements: Das aktuelle Reglement stammt aus dem Jahr 2012 und gilt als veraltet. Angetrieben durch Vorstösse aus dem Grossen Stadtrat – unter anderem von der Mitte-Fraktion um Senad Sakic-Fanger sowie von der linken Ratsseite – wird das Reglement nun komplett überarbeitet. Ziel ist es, den rechtlichen Schutz, die Arbeitsbedingungen und die gesundheitliche Prävention für die Frauen massiv zu stärken.

2. Die Krux mit dem Laufhaus: Die Stadt prüft seit längerem die Einrichtung eines städtisch kontrollierten Laufhauses oder Wohnprojekts im Ibach, um den Frauen geschützte Räume für ihre Arbeit zu bieten. Das Problem ist hierbei die Infrastruktur: Das einzige dafür infrage kommende städtische Gebäude an der Reusseggstrasse 11 ist stark schadstoffbelastet und sanierungsbedürftig. Die Umsetzung verzögert sich deshalb.

3. Sofortmassnahmen durch den Verein Lisa: Um die Situation akut zu entschärfen, leistet die Fachstelle Lisa (Anlaufstelle für Sexarbeitende) wichtige Arbeit vor Ort. Der Verein hat im Ibach einen zweiten, permanent zugänglichen Container aufgestellt. Dieser dient den Frauen als Rückzugsort bei schlechtem Wetter, bietet saubere Sanitäranlagen, Schliessfächer sowie Zugang zu medizinischer und rechtlicher Beratung.
 

Wie es jetzt weitergeht

Die Debatte zeigt exemplarisch, wie schwer sich die Politik mit dem Thema Prostitution tut. Während niemand den Strassenstrich in der eigenen Nachbarschaft haben möchte, sind sich alle einig, dass der aktuelle Zustand im Ibach ungenügend ist. Mit der angekündigten Reglementsrevision und dem Ausbau der Container-Infrastruktur versucht die Stadt Luzern nun den Spagat zwischen dem Schutz der Sexarbeitenden und den Sicherheitsbedenken der Bevölkerung. Die politischen Debatten über die genaue Ausgestaltung des neuen Reglements dürften das Luzerner Stadtparlament in den kommenden Monaten intensiv beschäftigen.